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Gebbes, Schnöff und Eiermüller

Gebbes, Schnöff und Eiermüller
Erinnerungen an eine Schulzeit am MGFG Kulmbach

Die Herausgabe des Buches verzögert sich aus technischen Gründen voraussichtlich in den
März 2o11.
Aber auch nicht so schlimm, denn vielleicht kommt doch noch jemand auf die Idee, in alten Unterlagen zu stöbern und Fotos oder einen Textbeitrag beizutragen...?!

Das Manuskript kann jederzeit bei mir im Atelier
Alte Schule Kauerndorf 25, 95361 Ködnitz
eingesehen werden. Bitte tel. Terminabsprache.

 

... ein Rundbrief an alle ehemaligen Schüler und Klassenkameraden des MGFG, Mädchen am CVG
und unsere Lehrkräfte,
speziell aus den Jahren 1959 bis 1969. 

Ich schreibe an einem Buch über unsere Schulzeit. Darin werden unsere Lehrer mit Spitznamen, ihren Eigenheiten und Angewohnheiten humorvoll beschrieben, Anekdoten und Begebenheiten aus dem Klassengeschehen und dem Schulalltag erzählt, einige Lehrer werden Beiträge liefern zum damaligen Schulsystem, den Unterschieden eines Unterrichts am MGFG oder CVG, einige Seiten sind unserer Schülerzeitung und der Entwicklung und Bedeutung der Schülermitverwaltung gewidmet, alles mit Abbildungen und Fotos, Federzeichnungen und Vignetten illustriert...
Meine Bitte nun: Wenn jemand mir noch Stichworte oder kurze Ausführungen zu damaligen Begebenheiten geben kann, wenn noch Fotos -  vor allem aus der Zeit 1959 bis 1969  - vorhanden sind, wäre ich dankbar.

Redaktionsschluss ist für den 25. Juli 2o1o geplant, das Buch ( DIN A5, hardcover, ca. 13o Seiten) wird dann im Oktober/November mit einer Erstauflage von 5oo Stück erscheinen. 



LESEPROBEN...

Vorwort

Natürlich hatte ich auch irgendwann einmal Spörls "Feuerzangenbowle" gelesen und stellte mir vor, so etwas auch an unserer ehrwürdigen Schule nachmachen zu können. Nie dachte ich daran, dass mir die Erinnerungen an meine Zeit im MGF, all diese Anekdoten und Begebenheiten, den Stift in die Hand drücken werden. Aber irgendwie hat unsere Schulzeit im Gymnasium die Pennälerstreiche des Hans Pfeiffer noch bei weitem übertroffen, das erkannte ich erst, als ich anlässlich meines 6o. Geburtstages so ein bisschen gedanklich in den damaligen Jahren blätterte.

 Ursprünglich sollte nur eine Sammlung von Anekdoten entstehen, die ich zum 4ojährigen Klassentreffen zur Erheiterung vortragen wollte. Aber je länger ich mich mit unserer Schulzeit beschäftigte, desto mehr musste ich erkennen, dass dieses Thema viel mehr beinhaltet als nur eine Aufzählung von Schülerstreichen. Nämlich die Dokumentation eines Lebensabschnittes, der unvergleichlich und in unserer Zeit nicht wiederholbar ist.

 Meine Lehrer werden es mir sicher verzeihen, wenn ich sie aus unserer damaligen Sicht heraus beschreibe, wenn ich Begebenheiten zur Sprache bringe, deren Ahndungen inzwischen verjährt sind, wenn ich Geheimnisse aufdecke, die damals für großen Wirbel sorgten.

 Schüler von heute werden neidvoll auf eine solche Schulzeit blicken, denn ich glaube nicht, dass es heute noch so geschehen könnte...

 Ich versichere, dass Ähnlichkeiten mit verstorbenen und noch lebenden Personen nicht rein zufällig sind, und dass alle Geschehnisse wahren Begebenheiten entsprechen ...

Wolfgang Boller, 25. Juli 2o1o



Unsere "Lehranstalten"

 

 

 

 

"Lehranstalten" - so nannte man die Kulmbacher Gymnasien früher. Noch früher hießen sie "Städtische Höhere Töchterschule" und "Königliche Latein- und Realschule Kulmbach".

 

Es flößte uns als Erstklässler natürlich unheimlich Respekt ein, dieses ehrwürdige, graue Steingebäude mit seiner Weitläufigkeit, kein Vergleich zu der Enge der Volksschule. Die nach Bohnerwachs duftenden Flure, Lehrkräfte im dunklen Anzug oder Kostüm und strenger Miene, die immer adrett gekleidete Direktoriatssekretärin mit hochgesteckter Frisur und Brille, und selbst die Putzfrauen waren für uns zumindest in der Unterstufe noch wahre Respektspersonen, denn hinter ihnen stand der "Amtsmeister" (so hieß seine offizielle Bezeichnung im Behördendeutsch), der Hausmeister mit stattlicher Statur, strengem Blick und stets von einer Tabakwolke (Hansa Krüll Feinschnitt) umgeben.

 

Nachdem wir unsere kleinen Volksschulen hinter uns gelassen hatten, waren wir nun als "Oberschüler" Teil einer "höheren Lehranstalt, in der man sich erst mal zurechtfinden musste. Dazu gehörte es auch, dass man nicht nur die Lehrkräfte deutlich zu respektieren ( und stets zu grüssen) hatte, auch die Hierarchie der Schüler und Klassen untereinander musste beachtet werden.Wehe, ein Erst- oder Zweitklässler stolperte mal einem Oberprimaner vor die Füße... da gab´s gleich Kopfnüsse). Irgendwie wirkten die Abiturienten schon wie Erwachsene auf uns.

 

Neben unserer Oberschule gab es ja auch noch die für die Mädchen, das Lyzeum. "Höhere Lehranstalten …", naja wir fühlten uns natürlich den hinter uns gelassenen ehemaligen Volksschülern überlegen. Und dazwischen gab es ja auch noch die "Mittelschule". Dahin gingen eben die, die zwar keine Volksschüler mehr waren, denen aber das "Zeug fehlte", Oberschüler zu werden.

 

Noch mal umdenken musste man, als die Lehranstalten (und auch andere Schulen) umbenannt wurden, zum Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium und zum Caspar-Vischer-Gymnasium, was für uns bedeutete, dass wir ab sofort "Gymnasiasten" und nicht mehr nur "Oberschüler" waren. Toll, aber geändert hat sich dadurch auch nichts, außer dass uns der Name anfangs noch etwas schwer über die Lippen ging. Und im Kulmbacher Sprachgebrauch blieben wir ohnehin weiterhin die "Oberschüler"...

Dass für die "Oberrealschule mit Gymnasium Kulmbach" ein neues Wortungetüm gesucht wurde, hatte man einem Ministerialerlass vom 12.Februar 1962 zu verdanken.
Er verfügte, dass "…den bayerischen Gymnasien nahe zu legen sei, ihre Anonymität der bloßen Schulartbezeichnung abzulegen und statt dessen einen Namen zu finden, der einen Bezug zur Region, der Geschichte oder verdienten Persönlichkeiten aus der Stadthistorie hat…".

Wolfgang Schoberth, Schüler und auch später Lehrkraft am MGFG, weiß in seinem Aufsatz "Der Streit um den rechten Namenspatron" zu berichten, dass sich das Lehrerkollegium die Sache damals nicht leicht machte. In mehreren Sitzungen standen schließlich zwei Namensgeber zu Wahl: der Renaissance-maler Hans Sueß (Hans von Kulmbach) und der Kulmbacher Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg. Mit 19 zu 13 Stimmen (bei 3 Enthaltungen) wurde zugunsten des Markgrafen entschieden, die erste offizielle Benennung lautete "Markgraf-Georg-Friedrich-Oberrealschule mit Gymnasium Kulmbach".
Und eines Tages purzelte man gleich vier Klassenstufen höher, als die neue Klassenzählung eingeführt wurde, aus einem Erstklässler wurde ein Fünftklässler. Nur unser späterer Klassenleiter Schnöff behielt für sich die bisherige Zählweise, für ihn war die Abiturklasse weiterhin die "Neunte", allerdings mit dem Zusatz "...13. nach soz.Rech.".
 
 

Rolle vorwärts mit Bruchlandung ... !

 

Unvergessen wird uns allen unser Turnabitur sein, in den Disziplinen Reck, Bodenturnen, Pferdsprung lang oder quer und Barren. Die Schüler beider Klassen (ohne die zwei Mädchen der a-Klasse, die hatten einen gesonderten Prüfungstermin) wurden in alphabetischer Reihenfolge aufgerufen. Rasch hatten wir begriffen, dass die Kameraden mit einem Familiennamen weit hinten im Alphabet wohl noch einige Stunden zu warten hatten und was war da naheliegender, sich die Zeit bis dahin im "KLEINEN RATHAUS" zu versüßen? Gesagt, getan. Schon ab 8.45 Uhr trafen sich die, die schon Ihre Prüfungen hinter sich hatten, mit denen, die noch auf der Warteliste standen. Es herrschte ein laufendes Kommen und Gehen, wichtig war nur, dass wir stets auf dem Laufenden gehalten wurden, welcher Buchstabe gerade dran war.

Klar, dass wir nicht bei konditionsfördernden Milchshakes oder Mineralwasser saßen. Einige zeigten schon leichte Auswirkungen des stärkenden Gerstensaftes, als sie ihre Disziplinen antraten. Was sich unsere Turnlehrer nicht erklären konnten war die Tatsache, dass selbst die Schüler, die im Jahresfortgang doch beste Turnnoten aufweisen konnten, offensichtlich in ihren Leistungen nachgelassen hatten.

Bernie, ein exzellenter Reckturner, der die Riesenfelge im Schlaf beherrschte, konnte sich schon nach dem ersten Überschlag nicht mehr halten, fiel vom Reck, tatzte unsanft auf und schoss halb sitzend, halb liegend bis an die Wand der Turnhalle. Andere holten sich mit mehreren Versuchen zum Felgaufschwung nur blaue Flecken am Schienbein, und hatte es Ottmar wenigstens bis zum Sitz auf der Stange gebracht, quiekte er doch erbärmlich, weil er sich was eingezwickt hatte und fiel wie der Apfel vom Baum ...

Rollo, ein As am Pferd, zeigte trotz leichter Schlingerbewegungen einen kraftvollen Anlauf, ignorierte jedoch das zum Absprung vorgesehene gefederte Brett, prallte (ohne Rippen zu brechen, Leistung!) aus vollem Lauf mit der Brust gegen das Längspferd und schob es mindestens anderthalb Meter in Richtung auf den Lehrer zu, der nicht mehr daran dachte, Hilfestellung zu leisten sondern nur noch rückwärts flüchtete ...
Kalle lief noch geradlinig an, sprang auch punktgenau ab, vergaß aber, sich beidhändig abzustützen, und legte einen traumhaften Flug über das Querpferd hin, nicht ohne die tapfer ausharrende Hilfestellung ( ich glaube es war Fiddi) mit vorgestreckter Brust einfach platt zu machen ...
Unser Vorzeigebodenturner Gerhard (wegen seiner geringen Körpergrösse von 1,65 m und daher niederem Schwerpunkt grundsätzlich schon mal im Vorteil) hatte den Ablauf seiner Bodenkür noch ohne Stottern aufsagen können, alles wartete gespannt: Anlauf, Absprung zur Hechtrolle, aber da hatte er vergessen, dass man sich zur Rolle ja auch einrollen müsste. Er landete wie ein Düsenjet ohne ausgefahrenes Fahrwerk Kopf voran auf der blauen Matte und hinterließ eine deutliche Schleifspur, physikalisch zu erklären mit Reibungswärme an Stirn und Nase ...
Bernd brachte die ersten Teile seiner Bodenübung einigermaßen geradlinig im Bereich der Matten hinter sich, doch der Strecksprung, der eine Rückwärtsrolle mit abschließenden Drehsprung in den Handstand einleiten sollte, endete in einem Durcheinander von Armen und Beinen und einer unsanften Landung auf dem Rücken...
Außer Hin- und Herschwingeln und vielleicht noch einem vorsichtigem Grätschsitz auf den Holmen konnte ich
dem Barren eigentlich nie etwas abgewinnen. Anders Herbert, er beherrschte auch die schwierigsten Auf- und Abgänge, den Handstand, die Drehung aus dem Schwung und noch einige Schwierigkeiten mehr. Nur am Nachmittag, nach vier Stunden "Frieda-Training", zeigte er leichte Aussetzer. Der erste Versuch, Aufsprung auf den Barren zum Stütz, misslang völlig, er griff zwischen die Holme und platschte auf die Matte. Mutiger zweiter Versuch: Anlauf ok, Sprung in den Stütz ok, Schwingen ok, dann aber verwechselte er wohl im Schwung nach der Drehung die Holme, landete rittlings auf dem rechten Holm. Quiekend wie Ottmar auf der Reckstange entschied er sich zum vorzeitigen Abbruch der Übung und purzelte unsportlich jammernd neben den Barren...

Legen wir das berühmte "Mäntelchen der Barmherzigkeit" über das Geschehen, denn es gäbe noch einige ähnliche Darbietungen zu beschreiben. Jedenfalls gab es einige, die Ihr Bier in den folgenden Tagen nur im Stehen genießen wollten, aber die Turnnote war für das Bestehen des Abiturs ohnehin nicht wichtig ...

 

Knigge, Petticoat und Rosenwalzer

Entscheidenden Anteil an unserer kulturellen Bildung übernahm auch die Tanzschule HELM aus Hof. Der Chef persönlich stellte sich mit seiner Gattin der Aufgabe, uns "nach Knigge" das nötige Rüstzeug für den Umgang mit dem anderen Geschlecht und geschliffene Umgangsformen für die künftigen gesellschaftlichen Verpflichtungen ( Hilfe!) zu vermitteln. Wir trafen uns mit einer Klasse des CVG wöchentlich nachmittags im Saal des FRANKENHEIMS in der Oberen Stadt, natürlich anfangs unter strenger Aufsicht von Lehrkräften beider Gymnasien.

Man stelle sich den Saal vor, ringsum bestückt mit Stühlen, auf denen wie Hühner auf der Stange die Auswahl unserer späteren Tanzstundendamen kichernd und tuschelnd aufgereiht saß, gegenüber die angriffsbereite Formation der noch in ihren Umgangsformen ungeschliffenen "Herren". In der Mitte, stets in Bewegung, Tanzlehrer Helm, etwas klein geraten und leicht übergewichtig (ein wirbelndes Tönnchen), aber stets im korrekten, schwarzen Smoking, polierten Lackschuhen und gepflegter Ausstrahlung. Daneben seine Gattin,  Hochfrisur, mehr schlank als griffig, im leicht ausgestellten, wippenden knielangem Kleid, einen Kopf größer als er, stets etwas wie abwesend lächelnd wie ein Filmsternchen (beide waren damals sicher schon im für uns gesetzten Alter von über 5o Jahren). Leider habe ich sie oder einen Nachfolger ihrer Tanzschule nicht mehr ausfindig machen können.

Die Helms verstanden es, uns den trockenen Stoff der Umgangsformen (wer stellt wen und wie vor, smalltalk, Benehmen am Tisch, wie legt welche Speisen vor …) locker rüber zu bringen. Das geschah in kleinen Rollenspielen, nicht ohne kritische Bemerkungen zu unserem anfänglich noch etwas schülerhaften outfit und belehrenden Anmerkungen bezüglich der unbedingten Notwendigkeit geputzter Schuhe, gepflegten Haarschnitts und adretter Kleidung…

Als es dann zum Tanzen überging, trennte sich schon etwas die Spreu vom Weizen, manche Mädchen und Jungs hatten eben nicht das notwendige Taktgefühl und waren im Geiste erkennbar mit dem Mitzählen der Tanzschritte beschäftigt, da halfen auch die attraktivsten Tanzpartner oder –partnerinnen nicht. Nach der theoretischen Ein- und Vorführung der Schritte durch das Ehepaar Helm warteten wir dann mit Ungeduld auf das Startsignal. Man stelle sich vor, man sitzt als Mädchen erwartungsvoll da und plötzlich stürmt eine tanzlüsterne Meute junger Burschen quer durch den Saal im Laufschritt auf die begehrtesten Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts zu. Natürlich gab es ein kurzes Durcheinander, auf beiden Seiten blieben dann einige übrig, die in den gegenseitigen sauren Apfel einer ungewollten Tanzpartnerschaft beißen mussten. Die Erfahrung zeigte jedoch, dass unter den meist etwas unscheinbareren "Mauerblümchen" auch exzellente Tanzpartnerinnen zu finden waren, die sich stets für ihre Wahl in besonders dankbarer anschmiegsamer Art und Weise zu bedanken wussten.

Tanzlehrer Helm gab uns auch Tipps, zu welchem Tanz welches Kleid oder Jackett besonders vorteilhaft wäre, und so kam es dann, dass zum Beispiel dem Nachmittag, als der damals moderne "Let Kiss" oder der klassische Rock´nRoll auf dem Programm stand, unsere Damen tatsächlich mit ungewohntem Petticoat erschienen (wo sie den wohl zwischen ihren Jeans und Tshirts hervorgekramt hatten, vielleicht aus dem Schrank der Eltern…?).

Die meisten von uns fuhren schon mit eigenen (5ocbm)-"Maschinen" vor, ich hatte als einziger eine weiße Vespa-Super-Sprint ( großes Nummernschild). Und weil sich die Mädchen lieber im Damensitz auf einem Motorroller nach Hause fahren ließen als auf einer leicht ölverrußten Hercules, K6 oder Avanti, hatte ich durchaus die besseren Karten und eine größere Auswahl an Tanzpartnerinnen…

Die Stunde der Wahrheit schlug, als sich der Termin des Abschlussballes, damals noch im Vereinhaus Kulmbach, unerbittlich näherte. Erste feste Tanzpaare hatten sich gefunden, sie wurden nach ihrem walzerischen Können eingestuft und damit die Reihenfolge des Eintanzens festgelegt. Unsere "Profis" hatten vorneweg eine volle Runde um die Tanzfläche zu drehen, und die weniger Taktsicheren brauchten nur einige Grätschschritte vom Saaleingang weg zurückzulegen. Unter den stolzen Augen der Mütter und den überlegen kritischen Blicken der Väter vermischten sich dann doch sowieso alle Paare bei den Klängen des obligatorischen Wiener Walzers zu einem Durcheinander von weißen Spitzenkleidern und dunklen Anzügen. Und Tanzkarten sicherten uns ohnehin die Wunschpartner/innen für die einzelnen Darbietungen im Formationstanz, der Polonaise und Einzeltänze.

Die Tanzstundenzeit, sie dauerte leider nur ein knappes Jahr, machte uns unheimlich Spaß, es kam sogar zu dauerhaften Verbindungen, denn einige von uns heirateten ihre Partnerin und sind bis heute noch glücklich verbandelt.

Als wir dann den Pkw-Führerschein hatten, vergrößerte sich unser Aktionsradius am Wochenende. Angesagt waren damals die Bayreuther Lokale "MOHRENSTUBEN" und "EL MANJANA", wo es sogar Tischtelefone gab… Und in Coburg konnten wir das Ende der Theater- und Opernvorstellungen oft kaum erwarten, um anschließend noch ein paar Runden in einem Tanzlokal zu drehen. Die Aufenthaltsdauer dort richtete sich aber meist nach unseren finanziellen Möglichkeiten, nicht selten hatten wir im Auto auf Selbstversorgung in Form von Sekt, Martini und Wein aus dem elterlichen Vorratskeller umgestellt.

Wenn die Autositze erzählen könnten…!

 

" ...zwa Edelherb, an Jächermaaster und a Habeh!"
So oder ähnlich lauteteten die Bestellungen, die wir von Schülern anderer Klassen damals täglich erhieten. Wer bis zum Ende der ersten Unterrichtsstunde seine Wünsche kundtat und bei uns am Klassenzimmer ablieferte, kam zur großen Pause in den Genuss seiner Bestellung. 
Wie das möglich war? Nun, damals war die Rückseite des Schulgebäudes eingerüstet, anfangs sahen wir noch neidvoll auf die Handwerker, die genüsslich Bier und Zigaretten vor unseren Fenstern konsumierten, und da kam Ralf die zündende Idee.

Wir organisierten einen schwunghaften Handel, vielleicht auch angeregt durch erste Grundlagen aus dem Fach "Wirtschaftslehre". Die leider auf die Zeit der Restaurierungsarbeiten beschränkte Aktion, brachte uns eine deutliche Aufbesserung der Klassenkasse.

Man gab früh seine Bestellung auf, schon in der ersten großen Pause standen Schlangen von Schülern vor der Toilette im zweiten Stock: einer der Arbeiter reichte das Gewünschte nach Bestellzettel zum Fenster herein, einer gab es weiter, hakte die Liste ab, ein weiterer kassierte. Das war sowohl für uns als auch für die Arbeiter am Gerüst  ein wenn auch nicht übermäßiger aber doch angenehmer Nebenverdienst, und sie konnten obendrein noch was interessantes an ihrem Stammtisch erzählen.

Wie hatte "Eule" , unser Wirtschaftslehrer, gesagt: die Wirtschaft lebt von Angebot und Nachfrage. Die Lieferanten verdienten etwas ( und es machte ihnen auch Spaß, uns arme Schüler versorgen zu können), wir schlugen noch 1o bis 2o Pfennig pro Artikel drauf, damit hatten wir erste Grundgesetze aus der trockenen Theorie des Unterrichts in eine genussvolle Praxis umgesetzt – Unterrichtsziel erreicht.

Und auch der Kaugummiumsatz stieg, denn wer wollte schon mit einer Fahne abgefragt werden...?

Hatten wir damit nicht den trockenen Stoff der doppelten Buchführung durch die praktische Anwendung und eigene Initiative  optimal ergänzt...?

 

 

Unser Schnöff ... 

Ihm muß ich mich etwas ausführlicher widmen. Nicht nur daß er unser Klassenleiter durch die Oberstufe war, irgendwann erkannten wir, daß er trotz vieler Eigenheiten ein herrausragender Germanist war. Böse Zungen munkelten, er wäre "strafversetzt nach Kulmbach" ( was immer das bedeuten sollte). Ich kann auch nicht sagen, woher der Name "Schnöff" kam, oder warum sich manche Aktion älterer Schüler so auf seine Person konzentrierte. Wir kamen letztlich nach einigem "Hauen und Stechen" gut mit ihm zurecht, vielleicht lag es auch daran, daß wir in der Oberstufe doch zu Einsicht kamen, lieber mit dem Lehrer, als gegen ihn zu arbeiten, kennengelernt hatten wir ihn ja schon in der Mittelstufe.

 Seine pädagogischen Fähigkeiten sah man ihm auf den ersten Blick nicht an, wenn er mit seinem Schlamperjäckchen (meist Strickjacke), Jeans, der sportlich nach vorne gekämmten Frisur, seinem manchmal etwas linkischen Auftreten ( war das Tarnung?) und der sehr betonten Aussprache ins Klassenzimmer stürmte. Er hatte sein eigenes System: "Heft?-Buch?-Atlasblatt?", und wer eine dieser "wichtigen" Unterlagen nicht dabei hatte, bekam Striche. Genauso wie für "Betragen" : fünf Striche ein Verweis, nach den nächsten fünf den Arrest, usw.

Objektiv gesehen, spielte man ihm schon arg mit, mehr wie anderen Lehrern. Da wurden von Schülern drei Schweinehälften per Versand bestellt ("...hängen sie die gleich in die Garage, werden gleich verarbeitet"), teure 4 qbm Quarzsand in die Garageneinfahrt gekippt ( "...die Handwerker warten schon drauf"), ein Telefonterror eingerichtet (zu jeder vollen Stunde rief jemand bei ihm zuhause an, rund um die Uhr, selbst eine Fangschaltung blieb ohne Erfolg), einmal stand am Sonntag früh in überdimensionalen Buchstaben quer über die Strasse am Schießgraben "...haut den Schnöff ins Mondgesicht!" ( was der Hausmeister schweißtreibend mit Nitroverdünnung und Schrubber wieder wegmachen mußte, bevor die Kirchgänger eintrafen), anonyme Briefe gingen ans Direktorat, ein (überlagerter) Fisch wurde unter dem Lehrerpult plaziert, der PKW wurde aufgebockt und die abmontierten Räder danebengelegt ( natürlich fehlten die Radmuttern...), PKW-Nummernschilder ab- und wieder kopfüber angeschraubt..., Fensterscheiben im Erdgeschoß des Wohnhauses mit schwarzer Dispersions-farbe über Nacht zugepinselt ...

Aber es gab auch erheiternde Begebenheiten, zB als wir zu einer Opernaufführung nach Coburg fuhren, und unser Schnöff sich auf dem Rücksitz zwischen zwei Mädchen vom Lyzeum zwängen mußte ( in einem 77oer Fiat), als wir seine angeheirateten Schwager/Cousins ins Kauernburger Schlösslein zur Klassenfeier holten und damit Schnöff bis zum bitteren Ende ausharren mußte und wir ihn dann in einem Taxi zu hause abliefern ließen ( wie er wohl ins Bett kam...?)

Große Anerkennung aber erfuhr er, weil er in der Abiturklasse sich entgegen dem offiziellen Lehrplan für Deutschthemen stark machte, die dann tatsächlich drankamen und manche von uns dadurch eine deutlich gute/bessere Note schrieben. Und weil er uns bis zum Abitur korrekt mit "Sie" ansprach. Und weil er doch "seine Jungs" grundsätzlich gegen die manchmal recht kontroversen Beurteilungen seiner Kollegen in Schutz nahm...

 

Allerdings ließ er sich auch manchmal zu mehr oder weniger treffenden Charakterisierungen hinreißen: für ihn war ich "...ein verschlamptes Genie!", was immer er auch darunter verstand...

 


Die kleine Ferling  ...

Wer kennt sie heute nicht als die Frau mit dem grünsten Daumen Kulmbachs mit ihrer "Gartenecke" im Lokalradio Plassenburg. Sie kam zu uns ans Gymnasium noch als Referendarin, hieß damals noch Ferling und hatte die undankbare Aufgabe, uns aufgeweckten 14/15jährigen etwas über Vererbung, Sexualleben bei Tier und Mensch und die Fortpflanzungsrituale zu erzählen. Da stand nun ein zierliches Persönchen vorne, hielt über das Lehrerpult hinweg sicherheitshalber den entsprechenden Abstand zu uns, die wir sie teilweise um Kopfeslänge überragten.

In der Hinsicht war sie eigentlich auf verlorenem Posten. Großen ( nicht eingeplanten) Beifall erhielt sie einmal, als sie eine lebende Griechische Landschildkröte zur Besprechung des Panzers in die Höhe hielt. Das aus der Ruhe seines Schuhkartons unvermittelt herausgerissene Tier nichts anderes zu tun hatte, als einen deutlichen halbflüssigen weissen Schlatzer gerade in ihre auf dem Tisch stehende offene Handtasche abzusetzen. Ansonsten kamen wir mit ihr gut zurecht, halfen ihr etwas dabei, den Unterricht einigermaßen über die Bühne zu bringen, vielleicht auch aus Mitgefühl mit der frischgebackenen Referendarin.

Einige Jahre später , sie hatte inzwischen auch  ihren Doktortitel, kam es   zu einer Fächerverbindung Englisch/Französisch mit Biologie/Chemie/Erdkunde, indem sie unseren Englischlehrer  "Ochsensepp" ehelichte ( oder er sie...?)  Leider unterrichtete sie nur drei Jahre am MGFG und verliess uns, als wir uns gerade an sie gewöhnt hatten ...


... und natürlich werden auch "ernste" Themen enthalten sein, die ihr aus der folgenden Inhaltsübersicht ersehen könnt...

 

 

 

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